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Windpark Kirchberg beteiligt Kommunen finanziell an Erlösen

Wednesday, April 1, 2026

Die Städte Kirchberg an der Jagst, Ilshofen und Crailsheim werden von den Betreibergesellschaften des Windparks Kirchberg in Zukunft an den Erlösen aus der Stromerzeugung beteiligt. Kürzlich fand die feierliche Unterzeichnung der Verträge in den Geschäftsräumen der ingenia projects in Kirchberg statt, die mit der Betriebsführung der Windkraftanlagen betraut ist.

Mit der kürzlich erfolgten Vertragsunterzeichnung setzen die Städte Kirchberg an der Jagst, Ilshofen und Crailsheim gemeinsam mit den Betreibergesellschaften des Windparks Kirchberg ein starkes Zeichen für regionale Wertschöpfung und kommunale Beteiligung an der Energiewende. Grundlage ist § 6 des Erneuerbaren‑Energien‑Gesetzes (EEG 2023), der es ermöglicht, Standortkommunen finanziell an Windenergieanlagen zu beteiligen.

Die Bürgermeister Axel Rudolph (Kirchberg an der Jagst), Martin Blessing (Ilshofen) sowie Crailsheims Sozial- und Baubürgermeister Jörg Steuler unterzeichneten die gleichlautenden Verträge in den Geschäftsräumen der Betreibergesellschaften in Kirchberg. Ebenfalls anwesend war Dr. Gerhard Röhrlein, Vorstandsvorsitzender der BürgerEnergie Kocher-Jagst eG (BEKJ), die als größter Investor im Windpark zahlreiche Bürgerinnen und Bürger an der regionalen Energiewende beteiligt.

Gesetzliche Grundlage mit klarer Wirkung

„Der Gesetzgeber hat mit § 6 EEG bewusst die Möglichkeit geschaffen, die Wirkung von Erneuerbaren Energien Projekten vor Ort sichtbar zu machen“, erläutert Steffen Bögner, Geschäftsführer der ingenia projects, die den Windpark gemeinsam mit Partnern entwickelt und errichtet hat. „Dabei geht es nicht allein um eine finanzielle Unterstützung der kommunalen Haushalte – auch wenn diese in der aktuellen Lage hoch relevant ist. Es geht um Teilhabe, Transparenz und Akzeptanz.“

Nach den Vorgaben des EEG können Kommunen mit 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde beteiligt werden. Für den Windpark Kirchberg mit acht Windenergieanlagen und einer jährlichen Stromerzeugung von rund 50 Millionen Kilowattstunden ergibt sich daraus eine jährliche Beteiligung von rund 100.000 Euro. Für die sieben Anlagen der beiden Betreibergesellschaften, die nun vertraglich geregelt sind, beläuft sich der Betrag auf etwa 87.500 Euro pro Jahr. Die Auszahlung erfolgt jeweils bis zum 15. Dezember.

Stärkung kommunaler Handlungsspielräume

„Angesichts der finanziellen Lage unserer Stadt hat diese Beteiligung eine große Bedeutung. Jeder Euro zählt“, betont Axel Rudolph, Bürgermeister der Stadt Kirchberg an der Jagst. „Dass die Mittel aus § 6 EEG nicht zweckgebunden sind, gibt uns wichtigen Handlungsspielraum zugunsten unserer Bürgerinnen und Bürger.“ Die Verteilung der Mittel erfolgt entsprechend der im EEG vorgesehenen Regelung auf Basis der betroffenen Gemeindeflächen im 2,5 Kilometer Radius um die jeweiligen Anlagen.

Akzeptanz durch regionale Wertschöpfung

Neben der finanziellen Komponente heben die Kommunen insbesondere die Akzeptanzwirkung hervor. „Die Windenergieanlagen leisten bereits einen substanziellen Beitrag zur regionalen Energiewende“, erklärt Martin Blessing, Bürgermeister der Stadt Ilshofen. „Die freiwillige finanzielle Beteiligung erhöht darüber hinaus die Akzeptanz in der Bevölkerung, weil sichtbar wird, dass die Region konkret von den Stromerlösen profitiert.“

Auch aus Betreibersicht ist dies ein zentraler Punkt. „Die Energiewende braucht nicht nur leistungsfähige Netze und Investitionen, sondern auch Rückhalt aus den Kommunen“, so Bögner. „Diese Form der Beteiligung kann dazu beitragen, erneuerbaren Projekten vor Ort mit Offenheit und Sachlichkeit zu begegnen.“

Klimaschutz und Versorgungssicherheit

Der Windpark Kirchberg trägt zugleich messbar zu den Klimazielen bei. Nach Angaben des Umweltbundesamtes werden durch Windstrom im Vergleich zur fossilen Stromerzeugung rund 600 Gramm CO₂ Äquivalent pro Kilowattstunde vermieden. Über die geplante Betriebsdauer von mindestens 20 Jahren entspricht dies einer erheblichen Reduktion von Treibhausgasemissionen.

„Erneuerbare Energien leisten nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch zur Versorgungssicherheit“, betont Bögner. „Sie reduzieren Abhängigkeiten von Energieimporten und stärken die regionale und nationale Resilienz.

Kommunale Energiewende als Gemeinschaftsaufgabe

Auch die Stadt Crailsheim verfolgt bereits seit Jahren eine umfassende Strategie beim Ausbau erneuerbarer Energien. Jörg Steuler, Sozial- und Baubürgermeister der Stadt Crailsheim, verweist auf bestehende Photovoltaikprojekte auf städtischen Liegenschaften sowie auf innovative Konzepte wie die Kalte Nahwärme in der Grundwegsiedlung II, bei der Erdwärme, Wärmepumpen und Photovoltaik kombiniert werden.

„Solche Projekte zeigen, dass die Energiewende auf kommunaler Ebene konkret und zukunftsfähig umgesetzt werden kann“, so Steuler.

Partnerschaftlich für die Energiewende

Die finanzielle Beteiligung der Kommunen beginnt gemäß EEG mit dem Abrechnungszeitraum ab dem 1. November 2025. Mit der Vertragsunterzeichnung unterstreichen Betreiber, Kommunen und Bürgerenergie Akteure ihr gemeinsames Verständnis von Energiewende als partnerschaftlicher Aufgabe – getragen von regionaler Verantwortung, Transparenz und langfristiger Perspektive.

Weitere Informationen

Die BürgerEnergie Kocher-Jagst eG BEKJ gibt aktuell 3.000 neue Geschäftsanteile zu je 500 € aus, Zeichnungen von 1 bis 200 Anteilen je Mitglied sind möglich. Informationen für Interessenten an Mitgliedschaft (Privatpersonen, Firmen, Körperschaften) oder aktuellen Projekten und Beteiligungen auf www.bekjeg.de, bei Fragen gerne per E-Mail an info@bekjeg.de.